VERANSTALTUNGEN |

Neue Reihe: Psychotherapeuten diskutieren gemeinsam tagesaktuelle Themen

Mittwoch, den 26. Juni, 20:30 Uhr:

ZUKUNFT OHNE HOFFNUNG: WIE LEBEN WIR IN ZEITEN DER KRISE?

vorgestellt von Dr. phil. Oliver Florig und Dr. phil. Matthias Richter

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in dieser Welt gehört spätestens seit der Säkularisierung zu den Energiequellen westlicher Gesellschaften. Ob es dabei um die einfache Hoffnung geht, dass „es unsere Kinder einmal besser haben werden“, oder aber um die Hoffnung auf eine klassenlose Gesellschaft, den Weltfrieden oder auf eine Versöhnung mit der Natur, immer wieder konnten Menschen ihre Kraft und Orientierung aus positiven Zukunftsentwürfen ziehen. Man kann sich gut vorstellen, wie sehr eine solche Hoffnung auch psychisch stabilisiert.

Viele dieser Hoffnungen scheinen inzwischen unglaubwürdig: der Krieg in der Ukraine beendet die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden in Europa. Der Krieg im Gazastreifen lässt den Friedensprozess im Nahen Osten aussichtslos erscheinen. Und auch die ökologische Lage spitzt sich immer mehr zu. Mögliche ökologische Verbesserungen haben jedenfalls nicht den Charakter einer Versöhnung mit der Natur, sondern bringen allenfalls neue, etwas weniger zerstörerische Formen der Naturnutzung hervor. Und an eine klassenlose Gesellschaft glaubt ohnehin niemand mehr. Der politischen Linken gelingt es noch nicht einmal mehr, das Wachsen sozialer Ungleichheit zu verhindern.

Worauf also können wir heute hoffen? Was heißt eigentlich Hoffnung? Und wie gehen wir mit dem Befund der Hoffnungslosigkeit um? Zeigt sich diese Hoffnungslosigkeit auch in unseren Praxen?

Über zahlreiches Kommen würden wir uns freuen!

http://www.oliver-florig.de/

Über die neue Diskurs-Reihe: Was vermag die Psychoanalyse bzw. Tiefenpsychologie zu aktuellen Debatten des öffentlichen Lebens beizutragen? Und wie spiegeln sich gesellschaftliche Veränderungen in unserer Arbeit mit den Patienten wider? Diesen Fragen wollen wir in Zukunft gemeinsam mit interessierten Kollegen nachgehen.

Ungefähr alle zwei Monate treffen wir uns dazu an einem Wochentag um 20:30 Uhr. Dabei wird immer ein anderes aktuelles Thema im Fokus stehen. In einem Impulsreferat soll das jeweilige Thema für circa 20-30 Minuten eingeführt werden. Anschließend wollen wir dazu miteinander ins Gespräch kommen. Die Debatte wird von Oliver Florig oder Matthias Richter moderiert. Als Moderatoren wollen wir außerdem versuchen, zentrale Argumentationen und Erkenntnisse des Abends im Hintergrund festzuhalten. Bei regem Engagement der Teilnehmer könnte daraus auch ein Blog auf unserer Webseite entstehen.

Es ist erwünscht, dass Teilnehmer eigene Themen für spätere Termine vorschlagen bzw. selbst 20-30 Minuten vorstellen. Wir sind sehr gespannt auf Ihre Teilnahme und mögliche Beiträge.

Moderation: N. N.
Ort: HIT, Alte Bergheimer Str. 5, 69115 Heidelberg. Diese Veranstaltung ist mit 3 Punkten zertifiziert.

Vergangene Veranstaltungen

Psychotherapeuten diskutieren gemeinsam tagesaktuelle Themen

Dienstag, den 27. Februar, 20:30 Uhr:

WARUM POLARISIERT DER GAZA-KRIEG?

vorgestellt von Dr. phil. Oliver Florig und Dr. phil. Matthias Richter

Nachdem am ersten Abend die allgemeinen Grundzüge der gesellschaftlichen Polarisierung herausgearbeitet wurden, wollen wir diese nun am Beispiel einer aktuellen Debatte konkretisieren. Insbesondere zu den Attentaten des 7. Oktober und dem Krieg im Gaza-Streifen gibt es in der Öffentlichkeit stark polarisierte Positionen: Für die eine Seite gehört Israel die uneingeschränkte Solidarität Deutschlands angesichts des Terrors der Hamas. Der Krieg im Gazastreifen sei als Selbstverteidigung im vollen Umfang gerechtfertigt. Die andere Seite scheint diesen Terror als Widerstandsakt gegen eine kolonial auftretende Macht zu begreifen und wirft Israel vor, einen Genozid zu begehen. Beide Seiten bauen einen hohen normativen Druck auf: Wer die Dinge nicht so sieht wie wir, ist Antisemit bzw. Komplize eines Völkermords.

Wie kommt es zu derart weit auseinanderklaffenden Sichtweisen, die jeweils von uns erwarten, moralisch eindeutig Partei zu ergreifen? Wie können wir psychisch eine Offenheit bewahren, die das Leid beider Seiten sieht, ohne Unrecht zu entschuldigen? Wie gehen wir mit dem normativen Druck beider Seiten um, der einen bei jedem Wort Angst haben lässt, sich als Mensch mit falscher Gesinnung entlarvt zu sehen? Die Psychoanalytische Bewegung stand nach dem 2. Weltkrieg auch für eine differenzierte Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld am Judentum. Was folgt Ihrer Meinung nach aus den nationalsozialistischen Verbrechen für eine deutsche Sicht auf diesen Krieg?

Psychotherapeuten diskutieren gemeinsam tagesaktuelle Themen

Dienstag, 5. Dezember, 20:30 Uhr:

Gesellschaftliche Polarisierung

vorgestellt von Dr. phil. Oliver Florig

Viele Menschen haben den Eindruck, dass gesellschaftliche Auseinandersetzungen und Debatten zunehmend härter geführt werden. Meist bilden sich zu politischen und gesellschaftlichen Fragen zwei Lager heraus, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Differenzierte Stimmen oder Meinungen, die in keines der Lager passen, scheinen schwer Gehör zu finden. Anhand der Themen Migration und Selbstbestimmungsgesetz wollen wir diese Polarisierungstendenzen zu verstehen versuchen: Am Anfang soll ein kurzes Impulsreferat stehen, das die vorherrschenden, polaren Positionen zu den genannten Themen aus der Perspektive der politischen Theorie kurz charakterisiert. Diese Beschreibung der Lage können wir dann diskutieren. Anschließend wollen wir uns fragen, wie diese Spaltungen und Polarisierungen zustande kommen. Welche psychologischen und gesellschaftlichen Dynamiken sind hier am Werk? Wie gehen wir persönlich mit diesen Tendenzen in uns um? Was ist nötig, um eine differenzierte Sicht zu gewinnen oder zu behalten?

Vortrag und Workshop

„Phänomenologische Psychopathologie“

Prof. Thomas Fuchs (Heidelberg)

Vortrag: Freitag, 02. Februar 20:30 Uhr,  Eintrittspreis 15 Euro

Workshop: Samstag 03. Februar, 9:30-15:00 Uhr, Teilnahme 30 Euro

Sie können gerne nur zum Vortrag erscheinen, zum Workshop wegen begrenzter Teilnehmerzahl bitte anmelden!

Zusammenfassung

Die phänomenologische Psychopathologie kann als eine konzeptuelle Grundlage für alle Psychothe­rapieverfahren dienen, die der subjektiven, besonders der leiblichen Erfahrung besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Sie stimmt überein mit aktuellen Ansätzen der Verkörperung bzw. des Embodiment, die diese Erfahrung nicht im Ge­hirn lokalisieren, sondern als Aktivität des gesamten Organismus in seiner Interaktion mit der Umwelt ansehen.

Der Vortrag (Freitag 20:30 Uhr) gibt zunächst eine Einführung in die Konzeption des verkörperten Selbst, der verkörperten Emotionen und der Zwischenleiblichkeit.

Diese Konzeption wird im Workshop am Folgetag (Samstag 9:30-15:00 Uhr) vertieft und um die phänomenologischen Konzepte des phä­nomenalen Feldes, des gelebten Raums, des zwischenleiblichen Unbewussten und des Leibgedächtnisses erweitert. Kasuistische Illustrationen und Wahrnehmungsü­bungen ergänzen den Bezug zur therapeutischen Praxis.

  • Zum Workshop wegen begrenzter Teilnehmerzahl bitte anmelden unter: info@hit-heidelberg.de
  • Vortrag und Workshop sind akkreditiert und Sie erhalten entsprechende Fortbildungspunkte.

Prof. Thomas Fuchs ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Phänomenologische Anthropologie, Psychiatrie und Psychotherapie und Inhaber der Karl-Jaspers-Professor für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie.

Literatur:

  1. Fuchs (2020) Randzonen der Erfahrung. Beiträge zur phänomenologischen Psychopathologie. Alber, Freiburg.
  2. Fuchs (2023) Psychiatrie als Beziehungsmedizin. Ein ökologisches Paradigma. Kohlhammer, Stuttgart.

Tagung

klima und psyche | SS 2022

Oliver Florig

Gutes Leben und psychische Gesundheit. Die ökologische Krise als Chance

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Delaram Habibi-Kohlen

Fünf nach zwölf? Psychoanalytische Überlegungen zur Klimakrise, alten Gewohnheiten und der Schwierigkeit, Neues zu denken

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Matthias Göpfert

Lebst Du noch oder wohnst Du schon … auf höherem Terrain? Wege zur Überwindung kollektiver (Selbst-) Täuschung in der Klimafrage

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Matthias Richter

Kritik unserer zynischen Lebensweise. Warum handeln wir wider besseres Wissen? Ein Essay

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